„Selbstbelehrung“ Die Kontrapunkt-Studien von Joseph Joachim und Johannes Brahms

 

Abstract

Nach dem Paukenschlag von Robert Schumanns prophetischem und zugleich für den selbstkritischen Brahms auch belastenden Artikel Neue Bahnen vom Herbst 1853 empfand der 20-Jährige seine handwerklichen Defizite noch als so gravierend, dass er in den kommenden Jahren vertiefende kompositorische Studien mit Joseph Joachim betrieb. Für den skrupulösen, reflexiven Brahms bedeuteten diese Studien zugleich eine Befreiung aus einer Krisensituation, in die ihn nicht zuletzt der Essay Schumanns mit der Stilisierung zur messianischen Erlöserfigur hineinmanövriert hatte. In der Brahms-Biographik wird im Blick auf den mehrjährigen Studien-Austausch mit Joachim meist allgemein von „kontrapunktischen Studien“ gesprochen. Doch es lohnt, sich die Ergebnisse dieser Studien aus dem Zeitraum zwischen 1856 und 1859 genauer zu vergegenwärtigen. Dabei zeigt sich, wie systematisch die beiden sich im Selbststudium das kompositorische Rüstzeug erarbeiteten. Neben den Aufgaben zum Kanon und zur Fuge behandeln Joachim und Brahms alsbald auch Choralstudien, also Studien im „reinen Satz“.

 

Biografie

 

Sandberger, Wolfgang ist seit 1999 Professor für Musikwissenschaft und Leiter des Brahms-Instituts an der Musikhochschule Lübeck. Musikstudium (Violoncello) am Konservatorium Osnabrück / Musikhochschule Hannover; nach dem Diplom 1986 Studium der Musikwissenschaft, Philosophie und Geschichte in Münster und Hamburg (Magister). Promotion mit einer Arbeit über »Das Bach-Bild Philipp Spittas«, die mit dem Preis der Joachim Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften ausgezeichnet wurde. Publikationen erschienen zur Musikgeschichte des 17. bis 21. Jahrhunderts. Hauptarbeitsgebiete sind neben dem Schwerpunkt Brahms biografisch-historische, rezeptionshistorische und wissenschaftsgeschichtliche Fragestellungen. Ein Arbeitsfeld Sandbergers ist zudem die Musikvermittlung. Als Autor und Moderator ist er für verschiedene ARD-Anstalten tätig (aktuell: »Musikstunde« SWR 2; »Klassikforum« WDR 3) und berät verschiedene Festivals (z. B. Göttinger Händel-Festspiele). Seit 2013 ist er Projektleiter des Brahms-Festivals der Musikhochschule Lübeck.

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